Hexagramme verstehen

Was ist ein Hexagramm?

Ein Hexagramm ist ein Zeichen aus sechs Yin- und Yang-Linien. Es verbindet zwei Trigramme zu einem Bild für die Grundbewegung einer Situation.

Das kurze Video zeigt, wie aus Yin und Yang erst Trigramme und dann ein Hexagramm entstehen.

Yin und Yang

Im I Ging steht eine durchgehende Linie für Yang und eine gebrochene Linie für Yin:

陽Yangdurchgehend
  • Aktivität
  • Licht
  • Ausdehnung
陰Yingebrochen
  • Ruhe
  • Schatten
  • Rückzug

Yin und Yang sind keine starren Gegensätze. Sie beschreiben zwei Seiten einer Bewegung: zum Beispiel Ausdehnung und Rückzug, Aktivität und Ruhe, Licht und Schatten. Jede Linie nimmt eine von beiden Formen an.

Von Yin und Yang zu acht Trigrammen

Um aus Yin und Yang ein Trigramm zu bilden, legst du Linien übereinander. Gelesen werden sie von unten nach oben.

Zwei übereinanderliegende Linien ergeben vier mögliche Muster.

Vier Muster aus zwei LinienGelesen von unten nach oben · Süden oben
Süden太陽Großes Yang
  • Sommer
  • Mittag
  • Höhepunkt
Osten少陽Kleines Yang
  • Frühling
  • Morgen
  • Wachstum
Westen少陰Kleines Yin
  • Herbst
  • Abend
  • Rückzug
Norden太陰Großes Yin
  • Winter
  • Nacht
  • Ruhe

Mit einer dritten Linie verdoppelt sich die Zahl der möglichen Muster auf acht. Diese acht dreizeiligen Muster heißen Trigramme.

Acht TrigrammeVier Gegenpaare
乾Himmel
  • Kraft
  • Schöpfung
  • Vater
坤Erde
  • Empfangen
  • Tragen
  • Mutter
震Donner
  • Bewegung
  • Aufbruch
  • ältester Sohn
巽Wind
  • Eindringen
  • Holz
  • älteste Tochter
坎Wasser
  • Gefahr
  • Tiefe
  • mittlerer Sohn
離Feuer
  • Helligkeit
  • Auge
  • mittlere Tochter
艮Berg
  • Stillstand
  • Grenze
  • jüngster Sohn
兌See
  • Freude
  • Mund
  • jüngste Tochter

Mit zwei Linien siehst du vier einfache Spannungen aus Yin und Yang. Mit der dritten Linie werden daraus acht eigenständige Gestalten: die Trigramme. Jedes hat ein eigenes Bild – etwa Donner, Wind, Wasser oder Berg – und damit eine eigene Art von Bewegung oder Ruhe.

Diese Bilder legen keine einzige Bedeutung fest. Sie geben einer Situation eine Sprache, in der sichtbar wird, was vorandrängt, sich sammelt, sich bewegt oder innehält.

Zwei Trigramme bilden ein Hexagramm

Auch die Trigramme werden übereinandergesetzt: Ein unteres und ein oberes Trigramm ergeben zusammen ein Hexagramm aus sechs Linien. Das untere Trigramm bildet die Linien 1 bis 3, das obere die Linien 4 bis 6.

Ein Hexagramm entstehtDas untere Trigramm bildet die Linien 1 bis 3, das obere die Linien 4 bis 6.
Oberes TrigrammHexagrammUnteres Trigramm6. Linie5. Linie4. Linie3. Linie2. Linie1. Linie

Jedes der acht Trigramme kann unten und oben stehen. Acht untere mal acht obere Trigramme ergeben die 64 Hexagramme des I Ging. Die unterste Linie ist Linie 1, die oberste Linie 6.

Inneres und äußeres Trigramm

Das untere Trigramm wird traditionell als das innere gelesen. Es steht für das, was innerhalb einer Situation angelegt ist: deine Haltung, einen inneren Impuls oder Kräfte, die von innen heraus wirken.

Das obere Trigramm wird als das äußere gelesen. Es kann den Rahmen zeigen, in dem sich die Situation abspielt – das, was dir begegnet oder von außen auf dich einwirkt.

Ein Bild für viele Situationen

Ein Hexagramm beschreibt kein einzelnes Ereignis. Dasselbe Bild kann in einer Beziehung, einem Projekt oder einer inneren Entscheidung auftauchen. Es hilft dir, die jeweilige Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Erst deine Frage und die Texte der Legung zeigen, worauf es in diesem Moment hinweist.

Auch die alten Texte nennen oft Bilder statt Personen oder fertige Lösungen. Ein Bild kann eine Bewegung oder Spannung zeigen, die du aus ganz verschiedenen Lebenslagen kennst. Was es für dich bedeutet, entsteht im Zusammenspiel mit deiner Frage, deiner Situation und dem, was dir beim Lesen auffällt. Darum darf ein Satz zunächst rätselhaft bleiben: Du musst ihn nicht sofort in eine einzige Deutung übersetzen.

Das I Ging befragen